Vom Getriebensein zur Präsenz – mein Weg zurück ins Leben

Aus dem Getriebensein heraus zu handeln, fördert Trennung.

Handeln aus innerem Chaos

Ich kenne diesen Zustand des Getriebenseins gut.
Dieses innere Chaos, das lange Zeit für mich Normalität war.

Immer mehr erkenne ich, dass ich mein Leben lang aus meinem traumatisierten Selbst heraus gelebt und gehandelt habe – aus einem überforderten Nervensystem im Überlebensmodus. Mein Handeln war kein freier Ausdruck meines Seins, sondern ein Reagieren. Ein Versuch, Halt zu finden. Erleichterung.

Mein Innerstes suchte die Fürsorge, den Raum und die Liebe, die es in der Kindheit gebraucht hätte, aber nicht erfahren durfte. Die Strategien, die daraus entstanden sind, waren Notfallmuster eines kleinen überforderten Kindes in einer unberechenbaren Welt.

Die Sucht nach dem nächsten Kick

Über viele Jahre habe ich mich immer stärker dieser Suche hingegeben. Adrenalin und Cortisol wurden zu meinem Suchtmittel.

Ich nutze sie, um mich in eine Art Hochzustand zu bringen – um funktionsfähig zu bleiben, um mehr zu schaffen, meinen steigenden Ansprüchen zu genügen und meine Grenzen immer weiter zu vergessen.

Irgendwann konnte ich von dieser Welle nicht mehr absteigen. Wenn sie abebbte, suchte ich sofort die nächste: eine Aufgabe, ein Projekt, ein Buch, ein Film – irgendetwas zu tun. Nur nicht die Leere fühlen, die sich in mir ausbreitete. Die Hoffnungslosigkeit, jemals das zu finden, wonach ich so verzweifelt suchte: Nähe, Geborgenheit, Ruhe, Sicherheit. Und ich erreichte das genaue Gegenteil, ich fühlte mich immer getrennter.

Es brauchte immer den nächste Kick. Kontrolle in der Unberechenbarkeit. Bis kaum noch etwas von mir übrig war – nur noch eine leblose Hülle, die funktionierte.

Dieses Muster habe ich früh gelernt. Meine Kindheit war geprägt von Unsicherheit, unzuverlässigen Beziehungen und dem Versuch, durch Kontrolle Stabilität zu schaffen.

Ich lernte, dass ich durch Funktionieren, Leistung und das Erfüllen von Aufgaben zumindest eine Form von Anerkennung und Stabilität finden konnte.

Die ersten Momente von etwas anderem

Neuerdings gibt es diese anderen Momente. Seltene, kostbare Augenblicke, in denen Ruhe einkehrt, Gelassenheit, Vertrauen, Klarheit.
Momente, in denen ich nicht aus einem Mangel heraus handle, um mich besser zu fühlen. Sondern weil ich mich spüre. Weil ich mit mir verbunden bin – mit meinen Gefühlen, Bedürfnissen und inneren Anteilen. Mit allem, was gerade da ist. Im Hier und Jetzt.

Aus dieser Präsenz heraus entsteht eine andere Energie. Fern von Kampf, Verteidigung und Rechtfertigen. Kein Leisten oder Kontrollieren müssen. Ein Sein im Einklang mit mir, mit anderen, mit dem Lebensfluss.

Der Weg heraus

Wie kann dieser Weg aussehen – heraus aus dem inneren Chaos, hinein in ein Leben, das mich mit offenen Armen empfängt?

Über Jahre des Rückzugs, des Forschens, Spürens und Scheiterns habe ich mich gewandelt. Ich habe begonnen, immer wieder von diesem Surfbrett abzusteigen, mich ins Wasser fallen zu lassen und meine Teile wieder einzusammeln.

Ich habe den Weg zu mir gesucht, nach Heilung. Ich wollte herausfinden, wer ich bin, wenn ich nicht auf diesem Trip bin. Was mich wirklich ausmacht. Was mich nährt. Was mich entspannt – ein Wort, das lange gar nicht mehr greifbar war.

Ich habe mich zunehmend von Beziehungen entfernt, die alte Muster verstärkten, und mich ehrlicheren, sichereren Begegnungen zugewandt. Räume, in denen ich mich mit meinem ganzen Sein zeigen darf. In denen ich mich selbst höre, während ich spreche. In denen ich erlebt werde – nicht analysiert oder repariert. Einfach gehört und angenommen.

Ich lerne meinen Gefühle, Körperempfindungen, Gedanken und Bedürfnisse zu lauschen, sie mitzuteilen und sie nicht als mein Selbst wahrzunehmen1. Ich nehme mir Zeit für das was in mir gerade lebendig ist. Schritt für Schritt gehe ich diesen Weg – zu mir.


Kennst du dieses Gefühl des Getriebenseins, diese Welle?
Gibt es Momente, in denen du dich wirklich spürst?
Was hilft dir, innezuhalten, wenn alles in dir weiter will?
Wo in deinem Leben darf gerade weniger Tun sein?

  1. Mir hilft die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg, das Ehrliches Mitteilen (nach Gopal Norbert Klein), Somatic Experiencing und der Kurs in Wundern. ↩︎

💝 Herzliche Grüße

Deine Wendy


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