Gedanken zum Weihnachtsmann, Nikolaus und Krampus

Es gibt alte Geschichten, in denen ein Heiliger zu Weihnachten von einem wilden Wesen begleitet wird. Der Heilige bringt Geschenke, das Untier straft jene, die in Ungnade gefallen sind.
Doch durch die Trauma-Brille betrachtet erzählt sich diese Geschichte plötzlich neu.

Ich merke, dass ich in meinem Leben oft nicht bereit bin, die Geschenke eines Heiligen anzunehmen: Glück, Frieden, Verbundenheit mit dem Leben selbst. Zu groß sind die alten Verletzungen, das Misstrauen, die Angst vor Veränderung und vor dem Unbekannten.

Was wäre, wenn dieses Untier mir einen Weg zurück zu mir anböte anstatt mich zu strafen? Wenn es mir zeigte, was Wildheit und Freiheit wirklich bedeuten: im Einklang mit der Natur zu leben, mit verfilzten Haaren, ohne adrette Kleidung. Ein Kind im Wald sein zu dürfen – frei und ungezwungen. Spielen, matschen, schreien, weinen … Wenn Gefühle, Gedanken und Körperempfindungen einfach da sein dürften, ohne Bestrafung, ohne Bewertung.
Ein freies Sein im Wald, an der Seite eines Wesens, das sich nicht um Konventionen schert.

Ich denke darüber nach, dass das Wort ‚böse‘ auch ‚wütend‘ bedeutet. Und Wut ist ein Gefühl, kein moralisches Urteil. Durch die Gewaltfreie Kommunikation weiß ich, dass jedes Verhalten aus einem Bedürfnis entsteht. Kinder (und Erwachsene), die sich gegen die Gemeinschaft stellen, sind Menschen in Not: überfordert, ungehört, sie möchten zeigen, dass etwas in ihnen fehlt. Mir zeigt der Krampus in seiner Wildheit, dass all meine Gefühle da sein dürfen, ohne dass ich sie erklären oder verstecken muss. Im Wald hält das Untier den Raum, damit ich wieder zu mir kommen darf— roh, frei, lebendig.

Könnte ich – wenn ich die Hand des Untiers ergreife und mich diesem reinigenden Prozess hingebe – wieder fähig werden, die Geschenke des Heiligen – die Geschenke des Lebens – wirklich anzunehmen?
Ich glaube, dann würde Ruhe in mein System einkehren. Und es gäbe kein brav und unartig mehr. Keine Unterwürfigkeit, keine Hierarchie, in der mir der Weihnachtsmann – ein alter, weißer Mann – sagen kann, was richtig und falsch ist. Kein Belohnen und Bestrafen nach dem Gutdünken von anderen, die damit nur ihr eigenes Weltbild und ihre Macht sichern wollen.

Vielleicht könnte dieses Untier mich tatsächlich in die Freiheit führen. Und der Weihnachtsmann mit seiner goldenen Liste, mit Strafen und Belohnungen, wäre nicht länger Teil meines Lebens.

Ich möchte dem Heiligen folgen – dem Nikolaus und seiner Botschaft von Liebe und Frieden. Dem Schenken aus Freude und Hingabe. Ich möchte beschenkt werden vom Leben, weil ich dazugehöre, weil jemand mich an seinem Reichtum, seiner Liebe teilhaben lassen will.
Ich möchte nicht länger manipuliert werden, um „brav“ zu sein.
Ich möchte einfach ICH sein.

Und so folge ich zu Weihnachten dem Krampus in den Wald – und tanze.



Welche „Geschenke des Lebens“ nimmst du leicht an – und welche fallen dir noch schwer?
Welche alten Regeln von „brav“ und „unartig“ wirken in dir vielleicht noch nach?

Wo in deinem Leben sehnst du dich nach mehr Wildheit, mehr Natur, mehr Echtheit?


💝 Herzliche Grüße

Deine Wendy


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