Ehrlicher Sprechen, Tiefer Hören â Unser Familienexperiment
In unserer Familie haben wir in den letzten Wochen begonnen, eine neue Form des Miteinanders auszuprobieren. Inspiriert von der Gewaltfreien Kommunikation (GFK), die mich schon seit Jahren begleitet, und dem Empathischen Zuhören, wollten wir noch bewusster miteinander in Kontakt treten â jenseits von Rechthaben, Alltagshektik oder schnellen Antworten.
FrĂŒher: Sprechen ohne das GefĂŒhl von echter Verbindung
Die Kommunikation mit meinem Partner und den Kindern ist oft hektisch, fordernd, entschuldigend, ausweichend,… Es geht hĂ€ufig darum, wer Recht hat, weniger darum, wer sich verstanden fĂŒhlt.
Teilweise zeigt auch dieser alte Comic so deutlich, wie sich Kommunikation anfĂŒhlt: Einer will von Dingen erzĂ€hlen, die ihm wichtig sind und die anderen warten nur ab, bis sie dran sind, ohne wirklich zuzuhören. Ich nenne diese Art der Kommunikation darum gern YouTube-Unterhaltung.

https://imgs.xkcd.com/comics/youtube_parties.png
Ich spĂŒre wie sehr mir echte Begegnung oft fehlt â dieses GefĂŒhl, dass jemand wirklich da ist, wenn ich spreche.
Der Dialog â Raum fĂŒr Begegnung
Auf einem Beziehungsseminar bin ich einer einfachen, aber tiefgehenden Praxis begegnet, die dort schlicht âDialogâ genannt wurde.
Das Prinzip ist ganz einfach:
Einer teilt mit, was gerade in ihm oder ihr lebendig ist. Am Ende fragt die Person: âWie geht es dir, wenn du das hörst?â
Der andere hört zu, spĂŒrt nach, und teilt, wie das Gesagte bei ihm ankommt. Spricht dann wieder ĂŒber die eigenen Gedanken, GefĂŒhle, BedĂŒrfnisse,… und beendet genauso mit: âWie geht es dir, wenn du das hörst?â
Heute: Zugewandtheit ĂŒben
Wir haben diese Form des Sprechens in unsere Familie gebracht. Ăfters ersetzen mein Partner und ich die lange Frage am Ende durch ein „Bieb-Bieb“. Wie beim Funken kann auch hier nur einer Sprechen, sonst gibt’s Kauderwelsch.
Mit den Kindern nutzen wir einen Redegegenstand.
Bei Unsicherheiten zu GefĂŒhlen oder BedĂŒrfnissen ziehen wir den GFK-Navigator zu Rate.
Es ist spielerisch und gleichzeitig schenkt es uns etwas Kostbares: Zeit.
Zeit, um nachzudenken.
Zeit, um wirklich zuzuhören.
Zeit, um nicht sofort zu reagieren, sondern da zu bleiben â bei dem, was gerade gesagt wurde.
Jetzt ist die Versicherung da: Wir interessieren uns wirklich fĂŒr das, was in dir los ist.
Es entsteht eine kleine Insel der Entschleunigung mitten im Alltag â eine QualitĂ€t von NĂ€he und tiefer Verbindung, wie ich sie mir immer gewĂŒnscht habe.
Unser Fazit
Durch unseren Slow-Talk entsteht ein Begegnungs- und Beziehungsraum. Es ist eine Einladung, sich zu begegnen â neugierig, zugewandt, offen.
Jedes GesprÀch wird zu einem kleinen Forschungsraum: Was ist in mir los? Was bewegt dich gerade?
Und oft reicht genau das â gesehen und gehört zu werden â, um wieder in Verbindung zu kommen.
đ Herzliche GrĂŒĂe
Deine Wendy



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